Tagesgeld als Grundlage der Vermögensbildung? - Informationen & Meinungen



Tagesgeld als Grundlage der Vermögensbildung?

In der letzten Woche ging es an der Börse turbulent zu. Hohe Kursverluste an allen Börsen weltweit haben viele Anleger erschreckt. Die meisten mussten sich mit tief roten Zahlen abfinden und einen schmerzlichen Verlust verkraften.

Dieser Anlass hat unter vielen Privatanlegern die Diskussion über Sinn und Unsinn bzw. Chancen und Risiken der Geldanlage in Aktien neu entfacht. Viele sprechen sich für die gänzliche Anlage im Tagesgeld Bereich aus. Sie argumentieren mit der Sicherheit, der Transparenz und der täglichen Verfügbarkeit der Einlagen. Auch die Kosten sind gering, Gebühren, Ausgabeaufschläge und Provisionen wie beim Handel mit Wertpapieren fallen nicht an. Kann Tagesgeld eine vernünftige Geldanlage sein oder gar als ausschließliche Anlage fungieren? In einem kurzen Rechenbeispiel soll hier das Gegenteil gezeigt werden.

Die Annahme lautet, dass ein Betrag von 100.000 Euro angelegt werden soll. Wenn ein Anleger ständig den Zinsmarkt beobachtet und immer die Angebote von Banken mit den höchsten Tagesgeld Zinsen in Anspruch nimmt, ist auf das ganze Jahr gesehen eine Rendite von vier Prozent realistisch. Zwar locken die Banken oft mit noch höheren Zinsen. Durch Überschneidungen in den Angeboten für Neukunden sowie Beschränkungen hinsichtlich der zeitlichen Gewährung des Zinssatzes, sowie Beschränkungen hinsichtlich des maximal zu den Angebotskonditionen verzinsbaren Anlagenbetrages ist aber ein höherer Wert kaum zu realisieren. Was den Aufwand dieser Anlagemethode angeht, fährt der Zinshopper nicht besonders gut. Die ständigen Kontoeröffnungen inklusive aller Formulare und dem Weg zum nächsten Postamt zur Durchführung der Identitätsprüfung sind nur ein Teil der entgangenen Freizeit. Eine deutlich höhere Frequenz von Werbeanrufen sowie ein stets prall gefüllter Briefkasten sind eine weitere Konsequenz der gleichzeitigen Geschäftsbeziehung zu mehreren Banken.

Hinsichtlich der Rendite ergibt sich kein wesentlich anderes Bild. Bei vier Prozent Bruttorendite fallen in unserem Beispiel 4.000 Euro an. Auf die Erträge der Tagesgeldkonten fällt die Zinsertragssteuer an. Unter Berücksichtigung des Sparerfreibetrags verbleiben nach dem fiskalischen Eingriff noch rund 3.100 Euro. Berücksichtigt man anschließend noch die Teuerungsrate von 2,2 Prozent, verbleibt eine inflationsbereinigte Nettorendite von 0,9 Prozent. Dies kann nicht die Basis des privaten Vermögensaufbaus sein.

Tagesgeld kann also keinesfalls als alleinige Anlageform für eine langfristige Kapitalbildung gelten, hier gibt es andere und deutlich renditestärkere Möglichkeiten der Geldanlage. Ein Tagesgeldkonto kann allerdings aufgrund der hohen Flexibilität, also der Möglichkeit jederzeit auf die gesamte Anlagesumme zugreifen zu können, als lukrativer Ort für jenes Kapital genutzt werden, das andernfalls auf dem Girokonto oder einem Sparbuch verbleiben würde. Gelder von denen der Anleger nicht weiß ob er sie in nächster Zeit benötigen wird, sollten eher nicht langfristig angelegt werden und können mithilfe von Tagesgeldkonten immerhin noch eine positive Rendite erwirtschaften.

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